Brief 1889 07 29 (Marie Schaaffhausen an Ministerium), 195 - 196

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Datum: 29.07.1889
von: Schaaffhausen, Marie
an: König
Transkription von: Dr. Ursula Zängl, ZB MED



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Allerdurchlauchtester Großmächtigster
Kaiser und König!
Allergnädigster Kaiser, König und Herr!

Wenn ich es wage die kostbare Zeit Ew. Majestät
durch das Lesen dieser Zeilen in Anspruch zu nehmen,
so gibt mir nur die Hoffnung den Muth, daß Ew.
Majestät es der Tochter verzeihen werden, wenn sie in
Liebe und Verehrung zum Vater in einer gerechten Sache
um ein allergnädigstes Interesse bittet. Mein Vater
ahnt nichts von diesem Brief, und erst nach langem,
langem Schwanken wage ich es an Ew. Majestät zu
schreiben; erscheint es mir doch als eine heilige Pflicht
zu versuchen, das zu erlangen, was dem Vater den
Lebensabend beglücken wird. Ich sehe nun schon viele Jahre
lang, welch ein Schmerz dem Vater seine Stellung an
der Bonner Universität bereitet und wie er, trotz wie-
derholten und begründeten Gesuchen um eine ordentliche
Professur beim Ministerium, immer wieder abgewiesen
wird und nach wie vor zwischen Jünglingen in der
Reihe der außerordentlichen Professoren sitzen bleibt.
Darf ich Ew. Majestät gestehen, wie so manches Detail
in den jahrelangen Verhandlungen mich tief verletzt
hat und wie nur ein Character, wie der des Vaters
das überwinden konnte und dessen ungeachtet
fünfzig Jahre lang in seiner edlen Auffassung von
Berufs.... seine ganze volle Kraft eingesetzt und rastlos

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und freudig weiter gearbeitet und geschafft hat, nur um
des Guten und Rechten willen, nie für seine Person.
Und so ist auch sein Herzenswunsch, für den ich das
allergnädigste Wohlwollen Ew. Majestät erbitten möchte,
in Bonn eine ordentliche Professur für seine Wissenschaft
gegründet zu sehen, weit mehr im Interesse der guten
Sache, wie in eigener. Darum hat er auch, als ihm vor
Jahren nur eine Honorar Professur angeboten wurde, diese
abgelehnt - im März dieses Jahres sich aber doch entschlossen
besser wie gar nichts, diese anzunehmen. Eine Antwort
auf die Bitte darum ist meines Wissens nicht erfolgt,
und ich glaube Grund zu haben zu vermuthen, daß man
ihm an seinem Doctor Jubiläum am 31. August nur diese
unbesoldete Honorar Professur geben wird für fünfzig-
jährige treue, aufopfernde Arbeit!
Ich bin ja ganz unerfahren in dergleichen Angelegenheiten
und ich bitte Ew. Majestät ehrerbietigst und unterthänigst
mir das freie, offene Wort allergnädigst verzeihen zu
wollen. Ich habe meinen ganzen Muth dafür zusammen
nehmen müssen - aber ich denke der liebe Gott hat
auch für unsere kleinen Angelegenheiten Ohr und Interesse
und - mit hohem Stolz und innigem Dank gegen Gott
sage ich es - ich weiß wie treu Ew. Majestät als Gottes
Stellvertreter Ohr und Interesse haben für Jeden aus
dem Volk. Gott segne Ew. Kaiserliche und Königliche
Majestät mit der Fülle Seines Segens!
In tiefster Ehrfurcht  verharrt alleruntertänigst
Ew. Majestät treu ergebenste
                 Marie Schaaffhausen

Honnef, den 29. Juli 1889.

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