Brief 1889 03 18 (Schaaffhausen an Ministerium), 182 - 184

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Datum: 18.03.1889
von: Schaaffhausen
an: Ministerium
Transkription von: Dr. Ursula Zängl, ZB MED



1889 03 18 Scan182.png
rechte Seite:

Bonn, den 18. März
             1889

An 
das Ministerium der Geistlichen
Unterrichts- und Medicinal-
Angelegenheiten
                in
                Berlin

Ich kann dem hohen Ministerium
nicht verhehlen, daß es mich mit
Schmerz erfüllt hat, mein seit
dreissig Jahren oft wiederholtes
Gesuch um eine ordentliche Profes-
sur in der medizinischen Fakul-
tät hierselbst in der eben berathe-
nen Budget-Vorlage wiederum
nicht berücksichtigt zu sehen.
Mit einer Mehrbewilligung von
23,546 Mark für die hiesige Uni-
versität sind nach allen Seiten (?)
Bedürfnisse der Wissenschaft befrie-
digt worden. An meiner so ungünsti-
gen Stellung wurde aber nichts ge-
ändert, so daß ich das Ziel meiner
Erwartung wieder in die Ferne gerückt
sehe. Ich stehe vor dem Entschlusse,
meine akademische Thätigkeit niederzu-
                               legen.
1889 03 18 Scan183.png
Unter den obwaltenden Umständen
bleibt mir nur noch eines übrig,
nämlich das Gesuch um eine ordent-
liche Honorar-Professur mit Be-
lassung meines Gehaltes.
Das hohe Ministerium kann es
aber nicht unbescheiden finden, wenn
ich auch die Bitte um Erhöhung
meines unzureichenden Gehaltes an-
spreche. Während der ersten 20
Jahre meiner akademischen Laufbahn
ward mir nicht die geringste Be-
soldung zu Theil. Im Jahre 1864
erhielt ich 300 Thl., im Jahre 1872
500 Thaler. Zu diesen 1500 Mark
Gehalt kamen 1874 noch 180 Mark
und 1879: 40 Mark Wohnungszu-
schuß. Unter etwa 15 besoldeten (?)
Extern(?)-Ordinarien der hiesigen Hoch-
schule ist nur einer, der ein geringeres
Gehalt bezieht als ich, einige haben 
3000 Mark, einer 2500, die
andern zwischen 2500 und 1500.
Ein vor wenig Jahren neu er-
nannter Professor Extraordinarius
für niederländische Sprache und Litte-
ratur bezieht 2100 M. Gehalt,
also 600 Mark mehr als ich nach
45 jähriger akademischer Thätigkeit.
1889 03182 Scan184.png
Indem ich mein ergebenstes Ge-
such dem hohen Ministerium zur
geneigten Erwägung vertrauens-
voll anheimgebe
                  zeichne ich
                  mit vollkommenster
                  Hochachtung
                  gehorsamst
            Professor Dr. H. Schaaffhausen
               Geh. Med Rath.
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