Brief 1884 10 13 (Schaaffhausen an Minister)

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Datum: 13.10.1884
von: Schaaffhausen
an: Ministerium
Transkription von: Dr. Ursula Zängl, ZB MED



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Honnef, 13 October 1884.
Sehr geehrter Herr Geheimrath!
Zu meinem grossen Bedauern habe ich Sie
heute nicht zu Hause getroffen, als ich mir
erlauben wollte, Ihnen für Ihre grosse Auf-
merksamkeit, mich in Honnef aufzusuchen,
einen Gegenbesuch zu machen. (Gestrichen) Gern hätte
ich mich noch über ganz andere Dinge mit
Ihnen unterhalten als über meine Angelegen-
heit. Wie ich versprochen habe, gebe ich Ihnen
einige Namen von Gelehrten meines Faches oder
doch verwandter Fächer an, die ich unter den
ordentlichen Professoren Deutscher Universitäten
auswähle und von denen ich voraussetze, dass sie
mehr oder weniger über die Verdienste eines Ge-
lehrten im Fache der anthropologischen Forschung
Auskunft zu ertheilen im Stande sein werden.
Ich darf wohl darauf aufmerksam machen, dass
ihnen über meine akademische Wirksamkeit
jede Kenntnis fehlt, die nach meiner Auffassung
doch schwer ins Gewicht fällt, wenn es sich um
			die

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Beförderung eines Universitätslehrer handelt.
Ich nenne die Professoren H. Welcker in Halle,
Geh. Rath Virchow in Berlin, Prof. Waldeyer
in Berlin, Geh. Rath. Ecker in Freiburg, Professor
Semper in Würzburg, Geh. Rath Lenokart in
Leipzig, und den ausser diesem Kreise stehenden
verdienten Anatomen und Anthropologen Prof. Lucae
in Frankfurt / Main. Für die palaeontologische
Richtung meiner Forschung weise ich auf Prof.
Geh. Rath Römer in Breslau, Prof. Schlüter in
Bonn, Prof. Hosius in Münster hin.
Als eine Anerkennung des In – und Auslandes könn-
te ich die Mitgliedschaft gelehrter Gesellschaften
anführen; ich beschränke mich darauf zu
bemerken, dass schon 1868 die anthropologische
Gesellschaft in London mich zu ihrem Ehrenmit-
glied ernannte. Im Jahre 1882 ward ich Ehrenmitglied der von Montegazza gegründeten
italienischen Gesellschaft für Anthropologie, 1889
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ernannten mich die anthropologische Gesellschaft in Brüssel und in Washington zum Ehrenmitgliede.
Auch dient es mir zur Genugthuung, dass in diesem
Jahre mich die deutsche anthropologische Gesell-
schaft zum dritten male zu ihrem ersten Praesi-
denten erwählt hat.
Zum Schlusse erlaube ich mir Ihnen ein Urtheil
über meine litterarischen Arbeiten mitzutheilen,
welches ein geachteter, mir aber persönlich ganz
unbekannter Autor in der gelesensten französi-
schen Zeitschrift für Urgeschichte ausgesprochen
hat. In der Materiaux pour l’histoire pri-
mitive et naturelle de l’homme, XV Vol. 2 Ser.
T. XI 1880, p. 48 heisst es:
Les travaux du Dr. Schaaffhausen, que nous
venons d’analyser, montrent a chaque instant
le vaste savoire de l’auteur, sa méthode
vraiment scientifique, la …. (rectidude??) de son
			jugement,
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et l’ont ne saurait trop en recommander
la lecture à ceux, qui seulent éviter les
c’oneils, don’t est semé, de nos jours encore,
le champ de L’anthropologie.

Aus den mitgetheilten Thatsachen darf wohl
jeder Unbefangene den Schluß ziehen, daß
nicht allein ich selbst meine wissenschaftliche
Thätigkeit hoch schätze, sondern daß sie auch
von Andern geschätzt wird.
Indem ich Ihnen, Herr Geheimrath, für das
mir bewiesene Wohlwollen aufrichtig danke,
	zeichne ich hochachtungsvoll
	und ergebenst
Prof. Dr. H. Schaaffhausen
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