Brief 1884 09 25 (Kurator Falk an Minister)

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Datum: 25.09.1884
von: Curator
an: Ministerium
Transkription von: Dr. Ursula Zängl, ZB MED



1884 09 25 Scan165.png
Curatorium der Universität
F. No. 2822

Vertraulich!

betrifft den außerordentlichen
Professor Geheimen Medizinal-Rath
Dr. Schaaffhausen


G.B. Bei meiner Anwesenheit in
Bonn habe ich Herrn G.M.R. Dr.
Sch., am 11.Okt., auf seiner Villa
in Honnef aufgesucht und ihm ge-
sagt, daß, wenn er in dem Schrei-
ben Seiner Excellenz die Anführung
eines anderen Grundes für die
Versagung einer ordentl. Professur
als den Mangel an einer etats.
mäß. Stelle vermisse (vgl. seine
Erw. vom 2. Aug. d. J.), letzlich (?)
mit Schonung für ihn davon Ab-
stand genommen sei, zugleich auf
das ablehnende Votum der Fa-
kultät hinzuweisen. Dieses Wider-
streben der Fakultlät bestehe
auch heute noch so gut wie früher
			und

An
den Königlichen Staats - und Minister
der geistlichen Unterrichts - und
Medicinal-Angelegenheiten
Herrn Dr. von Gosler
Excellenz
in
Berlin

Zweite Zeile:


Bonn, den 25. September 1884

Erw. Excellenz
beehren wir uns, auf die hoch-
gefällige Anfrage vom 23. v. M. - 3250 U I -
betreffend die Beförderung des außer-
ordentlichen Professor Geheimen Me-
dicinalrathes Dr. Schaaffhausen ganz
gehorsamst Folgendes zu berichten.

Der mitunterzeichnente Rektor
hat in vertraulicher Weise mit
den augenblicklich hier anwesen-
den Mitgliedern der Medicini-
schen Fakultät, dem zeitigen Dekan
Geheimer Medicinalrath Professor
Dr. Pflueger, den Geheimen Räthen
Dr. Veit, Dr. von Leydig, den Pro-
fessoren Dr. von la Velette St. George, Dr.
Köster und Dr. Binz über die vor-
gelegte Frage conferirt. Sämmt
lich sprachen dieselben sich in auf-
fällend übereinstimmendem
Tone mit Bestimmtheit dagegen
aus, daß H. Schaaffhausen zum
ordentlichen Mitgliede der Facul-
tät befördert werde. Es sei kein
Ordinariat vacant, welches dem-
selben verliehen werden könne. Da-
			zu
1884 09 25 Scan166.png
zweite Spalte:

zu kennen, daß einem Professor
Schaaffhausen, der vor sehr wenigen
medicinischen Zuhörern über alle
möglichen Disciplinen lese, als
Ordinarius und Examinator Ein-
fluß auf die Studirenden der
Medicin erlange, er in Folge
seines Dilettantismus auf allen
Gebieten und seines Mangels an
streng wissenschaftliche Methode und
ordentlich wirken werde. Im
Einzelnen verwiesen die genann-
ten Professoren auf die Facultäts-
berichte, welche vermittelst der
Curatorialberichte vom 20 April und
24. November 1865 und vom 14. Januar
1873 Ew. Excellenz Ministerium ge-
horsamst erstattet wurden.

Eine Beförderung des H. Schaaff-
hausen zum ordentlichen Honorar-
professor glaubten die Mitglieder der medicinischen Facult#t gleich-
falls nicht befürworten zu können,
weil darin eine Anerkennung lie-
gen würde, zu der nach ihrer 
Überzeugung die wissenschaftlichen
Leistungen des H. Schaaffhausen nicht


erste Spalte:

1884 09 25 Scan167.png
rechte Spalte
berechtigten. Nur Geheimrath Dr.
Veith meinte, daß etwa die
Rücksicht auf die ….., welche
derselbe bei dem großen gebilde-
ten, zu wissenschaftlichem Ur-
theil indeß nicht kompetenten
Publikum genieße, eine solche
Beförderung erklären könne.



In Vertretung
des zeitigen Rektor . Der Universitätsrichter
Langer ?			?

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