Brief 1872 03 30 (Schaaffhausen an Minister)

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Brief an

Datum: 30 März 1872
von: Schaaffhauen
An: Minister
Transkription von: Dr. Ursula Zängl, ZB MED


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Bonn, den 30ten März
1872


An
Seine Excellenz, den Minister der Geistlichen,
Unterrichts- und Medizinal Angelegenheitem
Herrn
Dr. Falk,
hochwohlgeboren


Indem ich mich der Hoffnung hingebe, daß der eingetretene
Wechsel in der Leitung des früheren Unterrichtes in unserem
Staate sowohl meiner persönlichen Stellung an der Rheinischen
Hochschule als der von mir vertretenen Wissenschaft zu gut
kommen wird, erneuere ich bei Ew. Excellenz mein seit dem
Jahre 1858 wiederholt an das Hohe Ministerium gerichtete Ge-
such um Gewährung einer ordentlichen Professur in der hiesigen
medizinischen Fakultät. Die Verhätnisse, unter denen ich hier
wirke, sind der Art, daß ich mich nicht mehr entschliessen kann, dieses
Gesuch auf dem amtlichen Wege durch die Fakultät oder das Cura-
torium zu Ew. Excellenz Kenntniß zu bringen und bitte ich deß-
halb die Freiheit, die ich mir nehme, mit der Eigenthümlichkeit mei-
ner Lage entschuldigen zu wollen. Eine von mir am 16ten Nov.
1867 an den Herrn von Mühler gerichtete Eingabe ist

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unbeantwortet geblieben, ebenso zwei spätere Schreiben
an denselben vom 8 t. August 1869 und vom 15 t. Dezember 
1871, welche ich Ew. Excellenz in Abschrift vorzulegen
mir erlaube, weil ich nicht weiß, ob solche an S. Excellenz
den Herrn von Mühler persönlich gerichteten Schreiben sich bei den
Akten finden. Ist dieses der Fall, so möchte ich zur Begründ-
ung meines Antrages auch noch auf meine Zeitschriften an den Herrn
Minister von Mühler vom 22 ten April 1864 und vom 20 ten Febr.
1867 verweisen. Wenn ich bedenke, daß, obgleich Vieles geschehen
ist, um meine akademische Wirksamkeit zu Grunde zu richten,
doch nach bald 28 jähriger Thätigkeit meine öffentlichen Vorlesun-
gen noch immer zu den besuchtesten an unserer Hochschule gehören,
und daß meine Schriften mehrfach in das Französische und Englische
übersetzt sind und mir die Wahl zum Mitgliede von 6 gelehrten
Gesellschaften verschafft haben, nun schon 3 ausländische sind, und
ferner, daß ich einen Antheil an der Begründung einer neuen Richtung (?)
der Forschung auf dem Gebiete der allgemeinen Physiologie und
Anthropologie in Anspruch nehmen darf und Mitherausgeber einer
sehr geachteten deutschen Zeitschrift des Archivs für Anthropologie
bin und endlich, daß für die von mir gelesenen Fächer in
den Statuten unserer Universität sogar zwei Professuren vor-
gesehen sind und daß die jetziges Besetzung der
Fakultät mit 6 thätigen Ordinarien durchaus nicht als dem

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heutigen Zustande der Wissenschaft entsprechend angesehen werden
kann, so darf ich wohl erwarten, da auch die freie (?) Richtung
meiner Studien bei der obersten Unterrichtsbehörde gewiß nicht
mehr ein Bedenken erregt, daß mein seit 14 Jahren wiederholt
aber vergeblich an das Hohe Ministerium gerichteter Antrag
um Verleihung einer ordentlichen Professur endlich eine gerechte
Prüfung und Gewährung finden werde.

Zugleich erlaube ich mir einige meiner wissenschaftlichen Abhandlun-
gen anthropologischen Inhalts Erw. Excellenz ergebenst vorzulegen
und zeichne
mit vorzüglicher Hochachtung
gehorsamst
Professor Dr. Hermann Schaaffhausen,
Geheim. Med. Rath.
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