Brief 1868 01 03 (Kurator Beseler an von Mühler)

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Brief an

Datum: 3 Januar 1868
von: Kurator Beseler
An: von Mühler
Transkription von: Dr. Ursula Zängl, ZB MED



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Den außerordentlichen Professor
Dr. Schaaffhausen betreffend


Bonn, den 3ten Januar 1868

In Erledigung der hohen Verfügung
vom 30ten a. M. - No. 27.851 - habe ich die
Ehre Folgendes ganz gehorsamst zu be-
merken.

Über die Stellung des außeror-
dentlichen Professors in der meicinischen
Facultät Dr. Schaaffhausen zu der
Wissenschaft und an der hiesigen Uni-
versität bin Ew. Excellenz ich häufiger
zu berichten in der Lage gewesen,
zuletzt am 24ten November 1865. Seitdem
ist derselbe in seinen rastlosen Be-
mühungen fortgefahren, sich der Welt als
den Begründer oder Wiederhersteller
der Anthropologie bemerkbar zu ma-
chen, aber nicht durch Leistungen, die
von Forschungsgabe oder wissenschaftli-
che Tiefe zeugen, sondern in seiner
Weise, indem er in Abhandlungen oder
als Redner mit Pomp zu verwerthen
sucht, was Andere gefunden oder gedacht
haben. Das Ziel seines Ehrgeizes ist das

				Or-
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Ordinariat, und um zu demselben
zu gelangen setzt er den Acheron in
Bewegung und verschmäht keine Mit-
tel und Wege, so fern sie auch von
den Bahnen eines Priesters der Wis-
senschaft liegen mögen. Neuerdings
spielt in diesen seinen Bestrebungen
wieder die Parität eine Rolle; er
scheut sich nicht, sich als Opfer einer
antikatholoschen Richtung in der Behan-
lung der Universität darzustellen und
von dem unkunden Haufen bekla-
gen zu lassen, während ich auch von
den strengen Katholiken unter den
hiesigen Docenten habe sagen hören,
daß das Königliche Ministerium kei-
nen außerordentlichen Professor
zum Ordinarius befördern könne,
der keine wissenschaftlichen Leistun-
gen aufzuweisen habe.

Bei dieser Lage der Sache und
bei der Offenkundigkeit, mit welcher
der G. Schaaffhausen seine Agitation
betreibt, darf Ew. Excellenz ich nicht
verhehlen, daß es seine bedenklichen
Seiten haben dürfte, denselben durch
eine öffentliche Anerkennung der be-
zeichnenten Art in den Augen der

			Welt

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Welt hervorzuheben. Er ist zwar im ge-
felligen Verkehr ein angesehener Mann
und mit Glücksgütern gesegnet, hat
auch angesehene Familienverbindun-
gen. Würde ihm aber ein Titel
verliehen, welcher verdienten ordent-
lichen Professoren gegeben zu werden
pflegt, so würde dies einen sehr
peinlichen Eindruck in den hiesigen
Universitätskreisen und wie ich glau-
be, auch außerhalb derselben machen.
Ew. Excellenz wollen mir hochgeneigt
hervorzuheben gestatten, daß die
Verleihung des Characters als Geheimer
Medicinal-Rath, diesen Eindruck noch
verstärken würde, insofern man be-
rechtigt wäre, diesen Titel mit seiner
Stellung zur Facultät in Verbindung
zu bringen; die ganze Facultät mit
Ausnahmen des Geheimen Medicinal-
Raths Dr. Naumann und vielleicht 
des Geheimen Medicinal-Rathes Dr.
Weber würde darin eine Kränkung
der gelehrten Corporation finden
und diejenigen Mitglieder der-
selben, welche sich einer gleichen Aus-
zeichnung bisher nicht erfreuen, wür-
den durch die Verleihung derselben an

				den

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den H. Schaaffhausen persönlich umso
schwerer verletzt werden, als sie sich
ohne Überhebung sagen können, zu 
den besten Männern ihrer resp.
Fächern zu gehören.

Liegen Gründe vor, dem H. Schaaff-
hausen einen Beweis der öffentli-
chen Anerkennung zu Theil wer-
den zu lassen, so möchte ich mir den
Vorschlag zu machen erlauben, eine
Auszeichnung zu wählen, welche
mit seiner oben hervorgehobenen
socialen Stellung in Verbindung
gebracht werden könnte. Ich würde
in solchem Fall ehrerbietig anheim
geben, für denselben den Character
des Hofraths oder eine ensprechende
Ordens - Decoration zu erwirken.




der Königliche Curator der hiesigen Universität

…… ?

An 
den Königlichen Staats- und Minister
der geistlichen Unterrichts- und
Medicinal-Angelegenheiten 
Herrn Dr. von Mühler
Excellenz
in
Berlin


No. 5

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