Brief 1860 08 29 (Rektor an Bethmann-Hollweg)

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Brief an

Datum: 29 August 1860
von: Rektor Uni
An: Bethmann-Hollweg
Transkription von: Dr. Ursula Zängl, ZB MED



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Bonn, den 20ten August 1860
abgegangen den 1ten September  „
das Gesuch des außerordentlichen Professors
Hr. Schaaffhausen um Verleihung einer
ordentlichen Professur an der hiesigen Uni-
ersität betreffend

Der außerordentliche Professor der
medizinischen Fakultät Dr. Schaaffhausen,
hat uns das ganz gehorsamst angeschlossene,
an Erw. Excellenz unmittelbar gerichtete Ge-
such vom 3ten Juli d. J., um Verleihung einer
ordentlichen Professur an der hiesigen Universi-
tät, mit der Bitte eingereicht, dasselbe mit un-
serer Fürquote begleitet, an seine Bestimmung
gelangen zu lassen. In Folge dessen haben wir
uns, um für die Beurtheilung des gedachten Ge-
suches unsererseits einen sicheren Anhalt zu
gewinnen (?), für verpflichtet gehalten, die be-
zügliche Vorstellung zuvörderst (?) der medizini-
schen Fakultät mitzutheilen und dieselbe um ihre
gutachtliche Aeußerung (?) in der Sache zu ersuchen.
Aus dem uns demgemäß erstatteten Gut-
achten vom 25ten d. M. das wir in Abschrift
beizufügen uns …., wollen Ew. Excellenz
zu ersehen geruhen, daß die Fakultät sich gegen

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die Gewährung des gestellten Gesuches aus-
sprechen zu müssen geglaubt hat, wennschon sie
an dem im Allgemeinen durchaus günstigen Ur-
theil, welches sie über den Professor Schaaffhausen
bereits früher in ihren mit unserem gehorsamsten
Berichte vom 4ten October 1858 eingereichten
Gutachten über die Wiederbesetzung der damals
durch den Abgang des Professors Helmholtz
erledigten Professuren der Anatomie und Physio-
logie gefällt hat, auch gegenwärtig noch fest-
hält und dem Bittsteller nicht sowohl bloß in
Ansehung der Ehrenhaftigkeit seines Charakters
und seiner Berufstreue, sondern auch in Bezug auch
auf seine Kenntnisse und sein Lehrtalent die volle
Anerkennung zu Theil werden läßt.
Zur näheren Motivirung jenes Anspruchs ist
von der Fakltät unter Anderem ausgeführt wor-
den, daß dasjenige Gebiet der medizinischen Wis-
senschaft, welchem  der Patent seine Thätigkeit ge-
widmet habe, nämlich das Fach der Physiologie
zur Zeit an unserer Hochschule durch einen dem
Gegenstande gewachsenen (?) Gelehrten /: Hr. Professor
Dr. Pflüger :\ genügend ausgefüllt sei, und so-
mit zu der Beförderung des p (ß) Schaaffhausen
zum Ordinarius neben ernannten Nominal-
Professor ein sachliches Bedürfniß nicht vorhanden
sei, in Rücksicht hierauf aber eine derartige Be-
förderung nur dann eine Berechtigung finden könnte,
 wenn

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wenn sich, was indessen nicht der Fall sei, beson-
ders hervorragende, eine eminente Genialität und
produktive Originalität …. Leistungen
des Petenten nachweisen ließen. Von unserem Stand-
punkte aus vermögen wir dieser Ausführung der
Fakultät nur unbedingt beizutreten, und sehen wir
uns daher zu unserm Bedauern auch unsererseits
außer Stande, das in Rede stehende Gesuch bei
Ew. Excellenz zu befürworten. Umso weniger 
würden wir dies verantworten zu können glauben,
als nach unserer Ueberzeugung nicht allein hin-
sichtlich des Fachs der Pharmakologie, wie in dem
Fakultäts-Berichte besonders hervorgehoben wird,
sondern auch noch in anderer Beziehung die drin-
gende Nothwendigkeit vorhanden ist, durch Be-
rufung tüchtiger und frischer Lehrkräfte die me-
dizinische Fakultät zu kräftigen und dadurch zur Hebung des medizinischen Studiums an un-
serer Universität beizutragen, die Gewährung des Schaaffhausenschen Gesuches nur
dazu beitragen könnte, … die …
… Interessen der Fakultät gebotene Berufun-
gen in weite Ferne zu rücken.
In Anerkennung der treuen und redlichen
Dienste, welche der Universität seither während
eines fast sechzehnjährigen Zeitraums von dem
Bittsteller mit der größten Uneigennützigkeit
ohne jede Besoldung und sonstige äußern Vor-
			theile
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theile geleistet worden sind, und der zahlreichen (?)
Erfolge, von denen es seiner unermüdlichen und
rastlosen Thätigkeit nicht gefehlt hat, halten wir
es dagegen in gefälliger Uebereinstimmung mit
der medizinischen Fakultät für eine angelegentliche
Pflicht, Ew. Excellenz, die ehrerbietige Bitte
vorzutragen, dem Petenten, in dem die Ab-
lehnung seines Gesuches unzweifelhaft eine sehr
entmutigende Stimmung hervorrufen wird,
Hochdero Zufriedenheit mit seinen bisherigen
Leistungen an den Tag legen und denselben zu diesem Be-
hufe, wie wir bereits in unserem oben schon
in Bezug genommenen Berichte vom 4ten October
1858 uns zu beantragen erlaubt haben, ein ent-
sprechendes Gehalt verleihen zu wollen.

Königliches Curatorium der rheinischen
Friedrich Wilhelms-Universität
Vermöge hohem (?) Auftrag
der zeitige Rector.     der Universitätrichter
Knoodt 	                          Willdenow        
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