Audio Guide - Schaaffhausen und die Entdeckung der Eiszeitkunst

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Schaaffhausen und die Entdeckung der Eiszeitkunst

In der Vitrine vor sich sehen sie die Vogelfigur von Andernach. Sie ist das erste erkannte Eiszeitkunstwerk im Rheinland. Der Vogel ist mit geringem Aufwand aus einem Stück Rengeweih geschnitzt worden. Schnabel, Augen und Schwanzfedern sind besonders deutlich zu erkennen. Ursprünglich handelt es sich um ein Abfallstück von der Geweih-Span-Produktion. Diese Späne schnitt man aus dem Geweih heraus und verarbeitete sie anschließend zu Speerspitzen oder anderen Gegenständen. An der von ihnen betrachtet linken Seite des Vogels erkennen Sie deutlich das nicht ganz freigeschnittene Ende eines Spanes. Normalerweise reichen diese Schnitte bis in die innere, schwammige Partie des Geweihs. Das Kunstwerk trägt geringe Spuren der roten Mineralfarbe Hämatit, die sich auch auf anderen Fundstücken aus Andernach befindet. Die Nutzung dieser Farbe ist in der Eiszeitjäger-Kultur des Magdalénien weit verbreitet. Besonders eindrucksvolle Zeugnisse hierfür finden sich in den Höhlenmalereien von Lascaux in Frankreich und Altamira in Spanien. Hermann Schaaffhausen ordnete die Funde aus Andernach korrekt dieser Kultur der späten Eiszeitjäger zu. In der nächsten Vitrine sehen Sie typische Geräte des Magdalénien in der Publikation Schaaffhausens und im Original. Nähnadeln, Harpunen und andere Geschossspitzen sind aus Knochen, Geweih und Elfenbein gefertigt. Die Steingeräte wurden überwiegend aus dem typischen, feinkörnigen Quarzit des Mittelrheingebietes geschlagen. Hierbei handelt es sich um Kratzer und Stichel zur Bearbeitung von organischen Materialien. In den späten 1970 er Jahren gelang es Archäologen der Universität Köln, die alte Ausgrabungsfläche Schaaffhausens wiederzuentdecken. Die Erweiterung der Grabung brachte zahlreiche weitere Funde zutage. Insgesamt ist Andernach heute eine der bedeutendsten späteiszeitlichen Fundstellen Europas.


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