Audio Guide - Schaaffhausen und der Neanderthaler Fund

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Schaaffhausen und der Neanderthaler Fund

Manchmal gibt es Momente im Leben eines Wissenschaftlers, die alles verändern. Für Hermann Schaaffhausen war dies die Begegnung mit dem Urmenschenskelett aus dem Neandertal. Vor sich sehen Sie die 16 Original-Knochen des weltberühmten Fundes. Diese entdeckten Steinbrucharbeiter im August 1856 in der Kleinen Feldhofer Grotte. Der Naturforscher Johann Carl Fuhlrott erhielt sie wenig später als Geschenk und erkannte sie als Reste eines urtümlichen Menschen. Dass Fuhlrott mit seinem Anliegen um wissenschaftliche Unterstützung an Schaaffhausen geriet, kann nur als Glücksfall für die Forschung gewertet werden. Mit seinem enormen Wissen war der evolutionsfreundliche Schaaffhausen der rechte Mann zur rechten Zeit. Fortan setzten sich Schaaffhausen und Fuhlrott in Schrift und Wort für das hohe Alter des Skelettes ein. Dies geschah unter heftigem Widerstand und zahlreichen Anfeindungen. Ein geschickter Schachzug Schaaffhausens war die Einladung des großen britischen Geologen Sir Charles Lyell in das Neandertal. Die Besichtigung der Fundstelle und des Skelettes erfolgte 1860. Drei Jahre später war der Fund aus dem Neandertal in England durch die Publikationen des Geologen Lyell und des Zoologen Thomas Henry Huxley wissenschaftlich etabliert. Auch die Benennung erfolgte auf den Britischen Inseln: Der irische Geologe William King taufte das Skelett 1864 auf den wissenschaftlichen Namen „Homo neanderthalensis“. Dieser Akt erfüllt die Iren noch heute mit großem Stolz, das Jubiläum der Benennung wurde 2014 mit einem Kongress in Anwesenheit des Staatspräsidenten gefeiert. Nach Fuhlrotts Tod 1877 wäre der Neandertaler beinahe ins Ausland verkauft worden, weil dem Vorläufer unseres Hauses die Geldmittel fehlten. Hierzu äußert sich Hermann Schaaffhausen in einem Brief an den Münchener Kollegen Johannes Ranke: „Den Neanderthaler Fund musste ich ankaufen für das Provinzial-Museum, weil er sonst für Deutschland verloren war, da Huxley ein hohes Gebot für das Kensington-Museum gemacht hatte“. Schaaffhausen kaufte also den Fund für unser Haus und sicherte sich damit zugleich die ungestörte Arbeit am berühmtesten menschlichen Fossil der Welt. Diese gipfelt in seiner bedeutenden Veröffentlichung „Der Neanderthaler Fund“. Ein Exemplar dieses heute sehr raren Werkes aus dem Jahr 1888 sehen sie im rechten Teil der Vitrine.

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