Kurzbiographie

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https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Schaaffhausen


Artikel „Schaaffhausen, Hermann“ von Johannes Ranke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 35 (1893), S. 748–751, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schaaffhausen,_Hermann&oldid=2491234 (Version vom 4. April 2016, 13:44 Uhr UTC)

Es gibt im Nachlass ULB Bonn (S 2620) mehrere, von Schaaffhausen selbst verfasste Kurzbiographien, die hier veröffentlicht und transkribiert werden. Sie sind teilweise nummeriert, was aber nicht der Chronologie ihres Entstehens entspricht und wohl auch nicht durch Schaaffhausen durchgeführt worden ist. Trotzdem wird die Reihenfolge dieser Chronologie beibehalten. Sie wurden von Schaaffhausen über mehrere Jahre ergänzt und dienten wahrscheinlich dazu, seine Gesuche um Beförderung beim Ministerium zu untermauern (s. dazu auch "Merseburger Akten").


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Nachlass Bonn S 2620


Diese Nr. 1 ist wahrscheinlich anlässlich der Publikation von "Anthropologische Studien", 
1885 entstanden und hat folgenden Wortlaut:


Hermann Schaaffhausen
geb. 1816 in Koblenz, 1839
in Berlin zum Doctor med.
promoviert, habilitirte sich 1844
in Bonn. Seit 1855 Professor
extraordinarius, seit 1868 Geh.
Medicinalrath. Er liest über
Encyclopädie der Medicin,
allgemeine Physiologie, Anthro-
pologie und Physiologie. Eine
Sammlung von Vorträgen und
Abhandlungen ist unter dem Titel
Anthropologische Studien
Bonn 1885 bei Marcus
erschienen. Er ist unter den
lebenden Anthropologen der
früheste und entschiedenste
Vertheidiger der fortschreitenden
Entwicklung der ganzen organischen
Natur.






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Nachlass Bonn S 2620



Lebensnachrichten.
Im Herbst 1834 Abgang zur Universität Bonn.
Herbst 1837 bis 1839 studirte ich in Belin.
Promotion am 31. August 1839. Medizinisches
Staatsexamen Winter und Frühling 1840.
Eintritt in den Militärdienst in Coblenz im
Jan. 1841. Ich diente als  …. im
25 Inf. Regiment. Im März 1842 ging ich 6
Monate nach Paris, Frühling 1843 nach England
für 3 Monate.  Hochzeit am 28 t. Sept. 1843. Reise
nach Italien. Im Nov. 1844 Privatdozent in Bonn.
1855 ausserordentlicher Professor, 1864 Gehalt: 300 Thl.
1868 erhielt ich den Titel Geheimer Medizinal Rath.
Von 1854 bis 1869 war ich Examinator im
medizinischen Schlußexamen. 1872 Gehalt 500 Thl.
				1874 Wohnungszuschuß 180.
				April 1879    „       40.
						     _____
						     720
Vorlesungen halte ich über Allgemeine und Ver-
gleichende Physiologie, über Enzyklopädie und
Geschichte der Medizin, über Anthropologie und
über Urgeschichte des Menschen, früher las ich
auch über Mikroskopische Anatomie, über
				u. gerichtliche Medizin
spezielle Physiologie und allgemeine Pathologie.
Meine wissenschaftlichen Arbeiten sind bis jetzt nicht in größeren
Werken aber in zahlreichen kleineren Abhandlungen und
Mittheilungen niedergelegt. Sie finden sich im Archiv f. Anthrop.
seit 1866, d. Verhandl. des naturhist. Vereins in Bonn sowie in d. Sitzungsb.
d. niederh. G. (s. 1853 außen ergänzt), in d. Cotta’schen deutschen Vierteljahresschrift 1848, 1850, 18…,

… Berichten d deutschen Naturf.. in Göttingen 1854, Bonn 1857,
Carlsruhe 1858, Frankf. a/m 1867, Leipzig 1872, in de. Jahrb. d. Vereins
der Alterthumsfr. im Rhein 1868 u. 1873, in d. Berichten über die Versaml.
der deutschen anthrop Gesellschaft seit 1870, in den Comptes Rendues der internat.
anthrop. Congresse in Paris, Copenhagen, Brüssel, Stockholm u. Pesth.
			1867       1869            1873             1876 (?)   1877
Ich bin einer der ältesten und entschiedensten Vertheidiger einer *
•	Giessen 1864                                                           1880 Lissabon







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fortschreitenden Entwicklung in der Natur und habe diese Lehre
lange Zeit vor Darwin vorgetragen und veröffentlicht.
Vgl. die Urtheile von Mayer, der in das von mir entliehende
Buch von Darwin schrieb: in d. Vorrede der 3 engl. Ausgabe
Darwins  (?) in dem 1883 … … die fortschreitende Ent-
wicklung organ. Formen auf d Erde behaupte.

Büchner sagt: die die Sitzungsb Wien d Natur Leipzig 1869 S.
166: Weit früher als Huxley und Vogt und zu einer Zeit, da dem
allgemein herschenden Vorurteil gegenüber ein um so grösseres Wissen
…. Werth hierzu nöthig war, hat Prof. H. Schaaffhausen in
3 in den Jahren 1853, 54 und 58 gedruckten Abhandlungen: Über Be-
ständigkeit u. Umwandlung der Arten, 1853, Über die Hautfarbe des
Negers und die Annäherungen der menschl Gestalt an die Thierform 1854 u.
über den Zusammenhang der Natur- und Lebenserscheinungen
1858 die Grundzüge der organ. Entwicklungstheorie darzulegen
und als nothwendige Folgerung derselben die Lehre von der
tier. Abstamung des Menschen darzustellen gewagt.

(Eingeschoben) Mohr, Sitzb. niederrh G. 21 März 1870
Verhandl. 1870 Sitzungsb. S. 80

Auch habe ich zuerst gegen die herrschende Ansicht des
Vorkommen fossiler Menschenknochen behauptet vgl.
Verhandl. d. naturhist. V. Bonn 1855 S. 303.

Ebenso bin ich ein Vertheidiger der Urzwzugung niederer
Organismen vgl. Comptes rendues de l’Acad. d. Sc. 5. Mai 1862
und Cosmos, Revue encyclop.             Verh. ds naturhist. V. XVI 1859.
                                           Paris 1863. XII. 22.S. 629
Als bezeichnend für die Richtung meiner Forschungen
mögen folgende Abhandlungen hier genannt sein:
Über die Beständigkeit und Umwandlung der Arten
in d. Verhandl. des naturhist. Vereins, Bonn X 1853,
Zur Kenntniß der ältesten Rasseschädel, Müllers
Archiv 1858, Über die Urform des menschlichen Schädels,







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Bonner Festschrift 1868, die anthropologischen Fragen
der Gegenwart, Archiv für Anthropol. II 1868, Über
die Methode der vorgeschichtlichen Forschung, Archiv für
Anthropologie V 1871. Über die Menschenbildung, Bericht der
Naturf. Vers. in Leipzig 1872.
Über die Todtenmaske Shakespeare. Jahrb. d. Deutschen
Shakespeare Gesellschaft X 1975.
Mitherausgeber des Archivs für Anthropologie seit
1866.
Über den Schädel Raphaels Bonn 1889
			Archiv für Anthrop.
Über den Schädel Schillers 1884. Suppl.
Anthropologische Studien. Bonn , 1885.
1873, 78 u. 85 Vorsitz d. deutschen anthrop Gesellschaft.
Interim-Vorsitz der Commission … Rh. Provinz-
Museen vom 27 April 1884 bis 1 Dez. 1885.

+ Er sagt in d. Zeitschrift
Es heisst das …. … …  Menschen …
…, wenn man seine Erschaffung als eine  Entwicklung der
Natur betrachtet und damit noch nicht der mensch-
liche Geist mit der thierischen Seele auf eine Stufe gestellt.
Man kann die ….. geistigen und sittlichen Interessen
halten und dennoch die Möglichkeit zugeben, dass sich die
menschliche Seele aus dem Zustande thierischer Rohheit
zu dem der höchsten Geistesbildung erhoben habe. In den 3
… schliesst er mit den Worten: Es ist keine
geringe Genugthuung für den  … oft irrenden
Geist, wenn es sich herausstellen wird, dass der er..
ste Gedanke, …
auch der … ist







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Fernere Lebensereignisse. 			18. Nov. 1873.

Nach Beendigung meines medizinischen Staatsexamens in Berlin trat
ich im Sept. 1840 eine Reise durch Deutschland an, auf der ich in Dres-
den, Prag, Wien, München u. Würzburg mich aufhielt, um die wissenschaft-
lichen u. Kunsts Sammlungen kennen zu lernen. Im Januar 1841 trat
ich in meiner Vaterstadt Coblenz  beim 25 Inf. Reg. als Compagnie Arzt
ein, um mein freiwilliges Dienstjahr abzuhalten. Das häufige Kranksein
meines Regimentsarztes de Dr. Feuerstein gab mir beim dortigen
Militär-Lagerarzt eine sehr unabhängige Stellung, die mir für meine
…, ärztliche Stellung sehr zu statten kam. Im März 1842
reiste ich nach Paris, wo ich 6 Monate verweilte und sowohl fleißig
die Lazarethe und Vorlesungen berühmter Lehrer besuchte, als, was
sonst die  …. stadt an Bildungs… bot, eifrig benutzte. Herbst
und Winter brachte ich in Coblenz zu, um mich auf meine schon während
meiner Studien erwählten Beruf als akademischer Lehrer vorzube-
reiten. Im Sommer 1843 brachte ich 3 Monate in England,
meist in London zu, wo ich medizinische Studien mit der Besich-
tigung der Merkwürdigkeiten und … zu vereinen suchte.
Schon im Beginn des Jahres 1843 hatte ich mich in Coblenz verlobt.
Unsere Heirath fand am 28. Sept. 1843 statt. Wir gingen nach
Italien und blieben mit längerem Aufenthalte in Mailand,
Florenz, Rom, Neapel u. Venedig bis Mitte Juni 1844 nach
dieser Reise, auf der ich dem … und dem Kunststudium
mehr lebte als meinen wissenschaftlichen Interessen. Am 19t. Nov.
1844 hielt ich meine Habilitationsrede in Bonn, wo ich mich
einige Wochen vorher für das Fach der Physiologie habilitirtz hatte.
Das Colloquium fand am 29. Oct. statt. Von dieser zeit bis
jetzt habe ich mich ohne Unterbrechung dem akademischen Lehramte
gewidmet, mit Ausnahme eines Semesters, in dem ich Urlaub
nahm um umgestört mich mit Versuchen über die Generatio aequi-
voca zu beschäftigen. Ich las über spezielle Physiologie, allgemeine
Pathologie und Chrurgie, Gerichtliche Medizin, Enzyclopädie der
Medizin, allgemeine und vergleichende Physiologie, mikroskopische
Anatomie, Anthropologie und Urgeschichte. Seit mehreren Jahren

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habe ich meine Lehrthätigkeit auf die letzten 5 Fächer beschränkt.
Erst im Jahre 1855 (eingeschoben: 19 Novemb. wurde ich zum Professor extraordinarius beför-
dert, und erst nach 20 jähriger akademischen Thätigkeit ward miim Jahre 1864 eine Besoldung von 300 Thl., dem niedrigsten Ge-
halte eines preussischen Unteroffiziers, zu Theil. Die Zahl meiner
Zuhörer beträgt bis heute 3502. Im Jahre 1868 (eingefügt: 10 Februar) ward ich zum
Geheimen Medizinalrathe ernannt. Ärztliche Praxis übte ich
nur im Kreise der Familie und wenn ich die Ferienzeit auf
dem Lande verbringe. Im Jahre 1870 vertraute mir ein in Bonn
gebildeter Verein die Gründung und Leitung eines
Vereins-Lazarethes mit 68 Kranken an, dem ich bis zu seiner
Aufhebung im Nov. vorstand. Seit (eingeschoben: 10 August) 1845 bin ich Mitglied der Nie-
derrhein. Gesellsch. für Natur- und Heilkunde, seit 3 Dec (? eingeschoben) 1863 ausw. M.
der Anthropol. Gesellschaft in Paris, seit 25 Aug. 1864 M. der Senken-
bergischen Naturforsch. Gesellschaft, seit d. 4 Febr. 1868 Ehrenmitglied
der Anthropol. Gesellschaft in London, seit 1869 ord. Mitgl.
der Gesellsch. Nordischer Alterthumsforscher in Copenhagen. + Im Jahre
1872 bis 73 war ich Präsident der deutschen anthropologischen
Gesellschaft. Seit 1873, d 2 Sept. bin ich Mitglied der Kaiserl. Leo-
pold. Carolin. Deutschen Akademie der Naturforscher. Seit 1866
bin ich Mit-Herausgeber der bei Vieweg in Braunschweig erschei-
nenden Archivs für Anthropologie. Am 29 Januar 1874 wur-
de ich zum Mitglied der Kaiserl. Gesellschaft der Natur-
fprscher in Moskau erwählt; am                 1874 zum korres
pondierenden Mitglied des naturhistorischen Vereins für Anhalt
ernannt; am 14t April zum ausw. Vorstands-Mitgliede der
römisch-germanischen Museums in Mainz ernannt.
Im August 1877 wurde ich zum zweiten mal Präsident der
deutschen anthropologischen Gesellschaft. Seit 1977 Vice-
Präsident des Vereins von Alterthumsfreunden vom Rhein.
Am 30 November 1880 (eingeschoben) zumm Korresp. Mitglied der K. Gesellschaft
der Architekten u. Archäologen Portugals. Am 24 Mai 1881
zum Korresp. Mitglied der Gesellschaft für Erdkunde in
½  Metz ernannt. Am 17 Febr. 1881 erhielt ich + das S. Jacobs
Ordens von Portugal . Am 9 März 82 korresp. Mitglied der Jour-
nalisten und Schriftsteller Portugals. Am 15 Juli 1882 Ehren
mitglied der italien. 1871 Gesellschaft für Anthrop. u. Ethnol. in Florenz.

+ seit dem 2t October korrespondirendes Mitglied ders Vereins
für Mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde
		+. das Ritterkreuz














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